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Ein Jahr Palliativstation im MKH

20.04.2026 #News

"Wir haben zusammen geweint - und noch viel öfter gelacht" 

Am 15. April jährt sich die Eröffnung der Palliativstation im Marien-Krankenhaus zum ersten Mal. Was als kleines Team mit zwei Patienten begann, ist heute eine etablierte Station mit vollem Betrieb. Bettina Schüller-Mörsch, Ärztliche Leitung Palliativmedizin, spricht im Interview über den holprigen Start, menschliche Momente und die Frage, warum Taschentücher manchmal ein Zeichen der Stärke sind.


Ein Jahr Palliativstation – wenn Sie kurz innehalten und zurückschauen: Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn?

Ein Brief. Wir haben ganz am Anfang an alle neuen Pflegekräfte ein kleines Begrüßungspaket geschickt – mit einem handgeschriebenen Brief, Schokolade als Nervennahrung und ein paar anderen Kleinigkeiten. Und Taschentücher. Dazu haben wir geschrieben: Es wird vorkommen, dass wir weinen. Wir hoffen aber, dass ihr sie häufiger braucht, weil wir lachen. Dieser Satz beschreibt das vergangene Jahr eigentlich besser als jede Statistik. Es gab Situationen, in denen wir gemeinsam geweint haben. Aber noch viel öfter haben wir gemeinsam gelacht.


Gehen wir nochmal zurück zum Anfang. Wie war der 15. April letzten Jahres?

Überschaubar – im besten Sinne. Wir sind mit zwei Patienten und einem kleinen Pflegeteam gestartet. Die Station war ehrlich gesagt eher noch eine Baustelle als ein fertiger Ort. Die Mittel waren begrenzt, die Strukturen noch im Aufbau. Das war kein glamouröser Start. Da war sehr viel Improvisation gefragt. Aber es war ein Anfang, und der zählt.


Das Team war komplett neu zusammengestellt. Wie hat das funktioniert?

Es war eine echte Herausforderung. Für viele Kolleginnen und Kollegen war es der erste Kontakt mit Palliativmedizin überhaupt – mit allem, was das bedeutet. Die Nähe zu schwerstkranken Menschen, zu Sterben und Tod. Manche haben schnell gemerkt: Das ist genau das, was ihnen liegt. Andere haben festgestellt, dass sie damit – zumindest in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt – nicht umgehen können. Das ist keine Schwäche, das ist Selbsterkenntnis. Wir haben diese Kolleginnen und Kollegen dann innerhalb der GFO Kliniken an anderen Stellen eingesetzt. Das war für alle Seiten die richtige Entscheidung.


Und heute?

Heute haben wir ein stabiles, eingespieltes Team – und das macht einen riesigen Unterschied. Die erste Kollegin befindet sich bereits in der Weiterbildung zur Palliativfachkraft, weitere werden in diesem Jahr folgen. Fest ins Team integriert sind außerdem Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungsberatung, Psychoonkologie und Seelsorge. Und wir werden von einem verlässlichen Stamm an Ehrenamtlichen unterstützt, die unersetzlich sind. Aus einem zusammengewürfelten Startteam ist eine echte Gemeinschaft geworden.


Wann haben Sie gemerkt, dass die Station wirklich angekommen ist?

Das war kein einzelner Moment, sondern viele kleine Rückmeldungen. Von Patienten, von Angehörigen, von Kolleginnen und Kollegen anderer Stationen und Häuser. Immer wieder hören wir, dass unsere Palliativstation ein echter Mehrwert in der Krankenhauslandschaft ist. Wir sind inzwischen auch ein regelmäßiger Ansprechpartner für die niedergelassenen Kollegen, die ambulanten Palliativteams und die umliegenden Krankenhäuser. Das ist eine Anerkennung, die uns wirklich freut – und anspornt.


Stichwort Zukunft: Was ist noch in Arbeit?

Einiges. Die Station läuft seit Anfang 2026 in Vollbelegung, was allein schon zeigt, wie sehr das Angebot gebraucht wird. Im Bereich der Ausbildung sind wir gut unterwegs: Wir hatten bereits Pflegeschülerinnen und -schüler sowie Praktikanten bei uns. Und gerade läuft das Beantragungsverfahren bei der Ärztekammer, damit wir künftig auch Ärzte zur Zusatzbezeichnung Palliativmedizin ausbilden können. Das ist uns wirklich wichtig.

Außerdem arbeiten wir daran, die Station und insbesondere die Patientenzimmer noch wohnlicher zu gestalten. Vieles finanzieren wir über Spenden der Fördervereine – dafür sind wir sehr dankbar. Und vielleicht findet sich ja auch im Konzern noch ein kleines Töpfchen, das uns hilft, die Zimmer weiter aufzuwerten. Wir würden uns jedenfalls nicht wehren.


Und der Jahrestag selbst – wird gefeiert?

Ja, auf jeden Fall – und das zu Recht. Wir werden innehalten, zurückschauen und würdigen, was wir gemeinsam in diesem Jahr aufgebaut haben. Das Team hat unter wirklich nicht einfachen Bedingungen etwas Besonderes geschaffen. Das verdient einen Moment der Anerkennung. Mit Schokolade – und vielleicht auch mit Taschentüchern. Diesmal wohl eher vor Rührung.

(Foto: GFO)

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